Teamwork

Tim Wörgg


Tim Wörgg, der anoyme Schreiberling des Teamwork-Magazins, nimmt sich kein Blatt vor den Mund, schreibt, wie ihm der Schnabel gewachsen ist, geht dort hin, wo´s weh tut, klopft den Großen auf die Finger, schreibt, was er sich denkt. Und Sie, liebe Leser/-innen – sollen sich selbstverständlich dazu äußern, ihren persönlichen Senf dazu abgeben, Posting ist ausdrücklich erwünscht. Viel Spaß!



Geschrieben von: Redaktion am 23.11.2012

Von Mongos und Spasten

Tim Wörgg

„Alter, bist behindert?“ – „Geh hör auf, Du Spast“ – „Selber, Du Mongo“. Der Tim – ein unfreiwilliger Zeuge eines Schülerdialoges in der Bim, Linz Höhe Schmidtor, zwischen Taubenmarkt und Hauptplatz.

Die integra war gerade ein paar Tage vorbei, genug Zeit das Erlebte vom beeindruckten Chef (siehe Story) wirken zu lassen, zu kurz als dass es mir nicht den Magen umdreht, wenn ich die Kids solche – vermutlich unbedachten – rhetorischen Flatulenzen von sich geben höre. Sicher war’s zu meiner Zeit in den 70ern auch nicht besser. Vielleicht sogar schlechter. Ich weiß: Da waren teilweise noch Judenwitze en vogue – dramatisch. Und meine Lieblingsschoki aus Kindheitstagen – das „Negerbrot“ – gab’s überall zu kaufen. (Undenkbar heutzutage. Obwohl vielerorts noch immer fest der „Mohr im Hemd“ genascht wird.). Man will ja nicht unbedingt so einen Bim-Dialog zum Anlass für die aktuelle Debatte verwenden, ob beispielsweise ein Norbert die allgemeine Wehrplicht abschaffen soll oder die Gabi damit Recht hat, dass jungen Männern ein wenig Bundesheer oder Zivildienst nicht doch gut täten. Nur so am Rande: Durch Zivis spart sich der Staat ja immerhin jährlich Millionen für Pflege und Betreuung. Und jetzt soll diese „Notlösung“ auch noch gestrichen werden? Aber das steht auf einem anderen Blatt Papier und wird uns noch eine Zeit beschäftigen.

Hm, jedenfalls: Den beiden 15jährigen in der Einser-Bim am 2. Oktober hätte ein Schulausflug in die Messe Wels zur integra sicher nicht geschadet. Oder ein Besuch im nächstgelegenen Behindertenheim. Oder bei ihrer 87-jährigen Uroma im Seniorenheim. Oder ein Reinklicken auf der Website der Paralympics. Oder die liebevolle Umarmung eines herzlichen Cousins gleichen Alters, der halt zufällig mit Trisomie 21 auf die Welt gekommen und „voll lieb ist“. „Halt, aber geh, das habe ich doch nicht so gemeint.“ Aja.


Herzlichst ... der Tim

 

Geschrieben von: Redaktion am 02.08.2012

Überlebenskampf – Robin ohne Öffentlichkeit

Tim Wörgg

Die Geschäftsführung der steirischen Chance B wirkt auf mich wie Robin Hood in Sherwood Forest in ihrem Kampf gegen das Land Steiermark (siehe Story "Runde zwei in der Steiermark"). Ich weiß, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich, es gibt keinen bösen Sheriff, keinen König, der in fernen Landen eingekerkert ist. Aber Franz Wolfmayr und Eva Skergeth-Lopic kämpfen derzeit einen schwierigen bis ausweglosen Kampf, so wie sie gegen die Entscheidungen aus Politik und Verwaltung in der Steiermark vorgehen. Und sie kämpfen für eine soziale Sache, stellvertretend für viele Arbeitgeber/-innen im Sozialbereich, die österreichweit der Willkür von Politik und Administration ausgeliefert sind. Egal, ob in Oberösterreich oder neuestens auch in Wien.

Ein pikantes Detail am Rande, das ein inzwischen fast sprichwörtliches Selbstverständnis in der Steiermark unterstreicht: Im Vorfeld der Verhandlungen für die kommenden Jahre sollte durch einen Wirtschaftsprüfer (wohlgemerkt: beauftragt durch das Land Steiermark) bei fünf vom Land selbst gewählten Organisationen (!) die Unter- oder Überdeckung der Leistungsentgelte erhoben werden. Die Erhebung ergab eine Unterdeckung (also ein Minus für die Einrichtungen). Darauf wies das Land die Untersuchung als „nicht repräsentativ“ zurück. Jetzt plant sie eine Vollerhebung. So wie es aussieht, ist das Ergebnis nicht vor den Beschlüssen für das kommende Jahr abzusehen. Und da bindet sich wieder jede Einrichtung mit Knebelverträgen für ein ganzes Jahr.  Hier fragt sich der Unbedarfte: Wie bitte?



Der Nächste bitte!

Ebenfalls bedenklich und fragwürdig im Fall der Chance B: Warum findet dieser Rechtsstreit um das Schicksal von privaten Anbietern in der Sozialbranche nahezu unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt? Auch der Überlebenskampf vieler anderer Träger/-innen läuft unter der Wahrnehmungsgrenze ab. Ist hier der öffentliche Diskurs nicht gewünscht oder ist diese Gefährdung der Versorgung hilfsbedürftiger Menschen einfach vielen egal in diesem Land, ganz nach dem Motto: Wenn die einen zusperren müssen, kommen eh andere nach?

Nur zu hoffen, dass die Chance-B-Führung nicht wie Don Quichott im Kampf gegen Windwühlen am Ende mit leeren Händen dasteht, in den Konkurs schlittert und am Schluss auch die Klient(inn)en ohne Betreuung.
 
Herzlichst ... der Tim

 

Geschrieben von: Redaktion am 15.04.2012

Preis-Nachhilfe für Mitterlehner in Amtsstuben der Länder

Tim Wörgg

Angesichts der Spitzen beim Spritpreis zu den Osterfeiertagen meinte Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP), man könne Preise nicht amtlich regeln, genauso wenig, wie man Krisen etwa im Iran amtlich regeln könne.



Die Preisentwicklung sei problematisch, „aber nicht von uns steuerbar“. Eine nachvollziehbare Einsicht des Ministers, entspräche es doch völligem Ignorieren und Übergehen von wirtschaftlichen und demokratischen Gesetzmäßigkeiten, wenn der Staat privaten Unternehmen amtlich die Preise für Produkte und Dienstleistungen vorschreiben würde. Die Sozialabteilungen mancher Bundesländer haben dafür ein Patentrezept  entwickelt. Da ist es Gang und Gäbe, dass die Landesregierungen privaten Anbietern sozialer Dienste die Preise diktieren, die diese für ihre Leistungen verlangen dürfen.
Betriebswirtschaftliche Fakten werden da genauso ignoriert wie ordentliche Preisfindung oder kollektivvertraglich bedingte Personalkosten.

Würde sich der Wirtschaftsminister bei manchen Sozialämtern ein paar Scheiben abschneiden, wären die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben, schier endlos: Warum nur die Spritpreise staatlich verordnen, wenn man gleich die Kaufpreise für die ganzen PKWs per Richtlinie um 30% - oder bei Bedarf auch mehr – senken kann? Der Konsument wird´s danken, garantiert. Lebensmittelpreise gestiegen? – eine Verordnung der Behörde sorgt für 50% Rabatt – oder darf´s ein bisserl mehr sein? Der Frisör verlangt wie viel?! Schnippschnapp, das Land streicht ihm per nettem Schreiben gleich zwei Drittel seiner Einnahmen. Gern geschehen, gnä´ Frau. Und dann kümmert sich endlich wer um die armen Häuslbauer: es kann ja nicht sein, dass so ein Rohbau 150.000-250.000€ kostet, Bauherrenmithilfe inklusive! Der Staat legt fest, dass jeder um 30.000,- seine bescheidene Hütte errichtet bekommt, ist doch egal, ob das die Baufirma ruiniert.

Das besonders pikante an dem Vorgehen, das seit den 90er Jahren gängige Praxis in nicht wenigen Bundesländern ist: die Sozialunternehmen sichern mit tausenden Beschäftigten mittlerweile den deutlich überwiegenden Teil der sozialen Versorgung in den Ländern.

Wer als allererstes unter behördlich verordneten Preisreduktionen zu Leiden hat, sind die bedürftigen Kinder, Familien, beeinträchtigte Menschen, also alle, die per Gesetz bestmögliche Unterstützung erfahren sollen, wenn sie dieser bedürfen. (Wie eine hohe Beamtin zum Thema meinte: „Wo kein Kläger, da kein Richter.“
Wie wahr und zynisch: Wer um sein Leben oder das seiner Kinder kämpft hat nicht die Muße, sich um legistische Feinheiten zu kümmern oder ein ganzes Land zu klagen.)

In anderen Wirtschaftsbereichen (zB. Energiewirtschaft, Baugewerbe, etc.) würde ein derartiges Vorgehen der öffentlichen Hand für veritable Skandale und Rücktritte im Dauerlauf sorgen. Im Sozialbereich kümmert das scheinbar die wenigsten, trotz OGH-Urteilen, eindeutigen Rechtsgutachten und steigender Zahl von Klagen.

Die gute Nachricht für Minister Mitterlehner: die Länder brauchen für dieses Vorgehen im Sozialbereich nicht einmal gesetzliche Legitimation – die machen das einfach.
Geehrter Herr Minister, das muss doch auch bei den Spritpreisen möglich sein….


Herzlichst ... der Tim

   

Geschrieben von: Administrator am 11.04.2012

Worauf steuert der Sozialstaat Österreich zu? Sie dürfen ankreuzen ...

Tim Wörgg

In Oberösterreich hungert das Land die Sozialbetriebe aus, in Tirol gibt es sittenwidrige Knebelverträge, in der Steiermark zeichnet sich ein ähnliches Bild, mit dem Unterschied, dass sich einer vorne hinstellt und das Land sogar klagt. Die Geschäftsführung der klagenden Sozialeinrichtung „Chance B“ spricht hier von einem Leistungsvertrag, der alleine 2012 einen Verlust von mehr als 700.000 Euro bringen wird, für die steirische Behindertenhilfe gesamt zehn Millionen.  Die Kirsche auf dem Sahnehäubchen ist, dass sich die Einrichtungen vertraglich verpflichten müssen, die Gerichtskosten zu tragen, selbst wenn sie im Streitfall gegen das Land gewinnen. Die Frage, die sich stellt: Wie weit muss es kommen, dass man seinen einzigen Brötchengeber klagt? Das dürfte wohl bei jedem Firmenchef als letzte Instanz infrage kommen, die sprichwörtliche Hand zu beißen, die einen füttert. Eine ebenfalls interessante Frage: Welches Selbstverständnis legen so manche Entscheidungsträger/-innen in Politik und Verwaltung an den Tag?



Rosige Aussichten, pervers und zynisch

In Oberösterreich etwa werden freie Träger der Jugendwohlfahrt vor folgende Situation gestellt: Mit einer neuen Richtlinie gibt es ab 2013 bis zu zwanzig Prozent weniger Kohle für dieselbe Leistung. Die Behörde checkt bei den Einrichtungen regelmäßig, ob sie auch sparsam und zweckmäßig wirtschaften. Bisher fährt man gerade kostendeckend, künftig fahren sämtliche Betriebe mit voller Kraft in den Ruin. Die „rosige“ Aussicht: Wenn sie das verhindern wollen und können, stehen sie mit eineinhalb Füßen im Kriminal. Mein Lieblingswort der letzten Wochen: „hoheitliche Intervention“ — sehr schräg in diesem Kontext: Seit zehn Jahren liegt ein Rechtsgutachten auf dem Tisch, „verfassungswidrig“ heißt der Befund für die Ämter und keiner ändert was. Wie pervers klingt es, dass Arbeitgeber die (gerechtfertigte) Gehaltsanpassung ihrer Mitarbeiter/-innen nicht an den öffentlichen Auftraggeber weiterverrechnen, stattdessen sogar weniger verlangen dürfen? Wenn jedem gestandenen Betrieb ein jährliches Minus von Hunderttausenden bis Millionen Euros blüht, wie soll sich das irgendwie ausgehen? Nicht nur, dass die Jobs von Tausenden gefährdet sind — die wichtige Betreuung im Sozialbereich ist schon in naher Zukunft nicht mehr gewährleistet, wenn diese hochprofessionellen Betriebe eine Lücke zurücklassen. Fast schon zynisch wirkt der Zugang etwa beim oö. Sozialamt. Hier wird automatisch von einer hundertprozentigen Auslastung der Mitarbeiter/-innen bei den freien Trägern ausgegangen. Da braucht man kein Betriebswirt zu sein, um zu wissen, wie das am Ende des Tages endet. Sie dürfen ankreuzen, worauf unser Sozialsystem zusteuert, wenn diese Entscheidungsträger/-innen weiterhin nach ihrem Gutdünken fuhrwerken dürfen.


                        o Wohlfahrtsstaat
                        o Sozialer Unfriede
                        o Katastrophe
                        o Chaos      
   



Herzlichst ... der Tim

 

Geschrieben von: Administrator am 31.10.2011

Willkommen auf der Bahre, Herr Prokurist!

Tim Wörgg

Ein nettes Anekdötchen gefällig - live aus der rot-weiß-roten Realität im Jahr der Freiwilligkeit? Folgende Begebenheit hat sich zugetragen. Junger Mitarbeiter, frisch im Unternehmen, noch in der Probezeit. Kurz vor der Übernahme in ein Unbefristetes kommt sein Gespräch mit einem leitenden Angestellten der Firma.

Persönlicher Hintergrund: Erster ist Twen, engagierter Freiwilliger beim Roten Kreuz, hält mit seinem privaten Engagement nicht hinterm Berg, im Gegenteil - er ist sogar stolz darauf, "dabei zu sein". So weit die Ausgangslage, dann der überraschende Gesprächsverlauf vom Herrn Prokuristen mit dem angehenden Fixangestellten. Entweder unsere Firma oder das Rote Kreuz, poltert der Vorgesetzte. Wir wollen niemanden im Betrieb, der mit kranken Leuten zu tun hat, setzt er nach. Eine Woche Bedenkzeit. Pause. Lade bei Fuß.

Da ist man selber sprachlos - wie der junge Mann, der plötzlich die Wahl zwischen Job, also Einkommen, und seinem Hobby, also sozialer Gratisarbeit, hat. Starkes Stück, vor allem weil so was gar nicht in das Bild der Freiwilligennation Österreich passt, drei Millionen Menschen engagieren sich bundesweit und man denkt sich: "Schön - auf breite Akzeptanz kannst Du zählen." Wäre auch klar. Jemand hilft, rettet womöglich Menschenleben, ohne einen Cent zu verlangen, einfach als sein persönlicher Beitrag - in diesem Fall mit Defi, Beutel und Co.

Wenn man sich herumhört und etwas nachbohrt, die traurige Gewissheit: Die aktuelle Geschichte ist kein Einzelfall. Na bum. Die ist real und endet übrigens wie folgt: Der junge Rot-Kreuzler entscheidet sich gegen die Firma und bleibt Freiwilliger. Zitat: "In so einer Hütte will ich dann eh nicht arbeiten." Bravo Bursche - hoffe, Du findest eine bessere Stelle! Und Glückwunsch an den Herrn Prokuristen - er möge künftig nie von der Hilfe eines Freiwilligen abhängig sein.

Herzlichst ... der Tim